Bundesliga-Saison 1983/84
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- Erstellt am Samstag, 06. September 2008 17:38
Kickers Offenbach – E.......t Frankfurt 2-1
Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Martin Schütz, dem ich ausdrücklich für diesen tollen Bericht danken möchte.
Und nun viel Spaß..............
Im zarten Alter von 14 (ich stand gerade mal drei Jahre im Block 2. Bis er nicht vom Block 1 per Zaum getrennt wurde, durfte ich von meinen Eltern aus nicht rein, wegen der "Gästefan-Gefahr"), ergab es sich, dass unser anbetungswürdige Klub wieder erstklassig spielen durfte. Stellt Euch mal vor, was unter uns Achtklässlern los war. Vor allem bei dem anstehenden Spiel gegen die Unaussprechlichen... Bereits aber einen Monat vorher brach das Derby-Fieber aus. Unterricht konnte man zu diesem Zeitpunkt getrost abhaken. Es gab einfach wichtigeres, wie Napoleon oder irgendwelche Chemie-Gleichungen. Was malten wir uns alles aus. Sportlich gesehen von einem zweistelligen Kickers-Ergebnis, bis zur superbrutalen Hooligan- Schlacht, die (damals) wirklich zu erwarten war.
Die letzen zwei Nächte vor dem Spiel konnte ich gar nicht mehr richtig schlafen. Meine Dauerkarte wurde geweiht, angefleht, heiliggesprochen. Voodoozauber war ein Scheißdreck dagegen. Dann war der große Tag da. Beide Teams waren eher schlecht als Recht in die Saison gestartet. Die Gummiadler mit 4:6 und der OFC mit 2:8 Punkten. Es musste also alleine schon aus sportlichen Gründen unbedingt gewonnen werden. Und würde man gewinnen, könnte man auch vorbeiziehen, mit einer besseren Tordifferenz. Also Ansporn genug!
An diesem September-Samstag-Nachmittag herrschte richtig schönes Fußball-Wetter. Das hieß, es pisste wie aus Kübeln (zumindest zeitweise). Als ich ca. gut eine Stunde vor Spielbeginn ans Stadion kam, hörte man schon die Schlachtgesänge. Hauptsächlich jedoch von den Primaten aus Offenbachs nördlichen Slums. Die Typen standen damals unter krasser Polizeibewachung im Block 1, nur ca. 2 (!) Polizeireihen und einen Zaun von uns getrennt. Das konnte lustig werden. Das Nächste, was mir auffiel war, dass die Kickersfans an diesem Tag fast alle nur Leder- oder Bomberjacken trugen. Kaum einer hatte einen Schal oder eine Kutte an. Damals gab es 4 riesige Fahnen, die sonst bei jedem Spiel da waren. Keine wurde gesehen. Ich war (außer einer anderen Ausnahme) die einzige Fahne und hatte auch noch meine Kutte an.
Das Spiel wurde angepfiffen und die schwarz-weißen ließen stimmungsmäßig den Larry raushängen, d.h. sie waren laut und unsere Jungs haben das Maul nicht richtig aufbekommen. Damals gab es in Offenbach jedoch noch Gegenden, die wirklich superhart waren. Eine davon der Lauterborn. Und als ca. 40 krasse Gestalten den Block 2 mit "Lauterborn, Lauterborn"-Gesängen hoch kamen ging es von Mund zu Mund ("die Lauterborner sind da"!) und von da an gab es kein Halten mehr! Ein Orkan an Kickers-Gesängen setzte auf einmal ein, der es mir heute noch kalt den Rücken runter laufen lässt. Das war Patriotismus und Herzblut pur. Die mit den falschen Farben waren so geschockt, dass man bis zum Ende der ersten Halbzeit nur noch sehr wenig von ihnen hörte. Trotz Bullen gelang es jedoch einigen Unverbesserlichen sogar durch den Zaun einige Nasen zu krümmen.
Aber konzentrieren wir uns mehr auf das Spiel. Es stand auf mäßigem Niveau. Dafür stand zu viel auf dem Spiel. Punkte und vor allem Prestige. Torchancen waren Mangelware. Dafür wurde das Mittelfeld richtiggehend umgepflügt. Es war ein richtiger Derbyfight mit Mitteln, die oft das Erlaubte bei weitem überschritt. Der damalige so hochgelobte Stürmer der Unaussprechlichen (Svensson) bekam keinen Stich gegen Kutzop und co. und so zitterte man sich mit Mittelfeldgeplänkel so durch die Halbzeit.
Das 1:0 für die Kickers bekam ich nur aus dem Augenwinkel mit, da mich in dem Moment mal wieder die Hauerei auf den Rängen ablenkte. Ich erinnere mich nur, dass ich mich ca. 7 Stufen weiter unten wieder fand und der rot-weiße Anteil der Stadionbesucher ein einziges Knäuel der Freude auf allen Rängen bildete (übrigens war das Match mit 27.000 kurioserweise nicht ganz ausverkauft!).
Nach der Halbzeit kamen die Parkplatzwächter mit mehr Druck aus der Kabine und ich begann meine Fingerkuppen anzunagen (die Nägel waren schon längst weg). In der 80. Minute gab es dann einen Freistoß für die Unaussprechlichen, ca. 18 Meter 90 Grad zum Tor. Falkenmayer schoss... ...und traf. Aber der Schiri hatte den Ball noch nicht freigegeben. Bis ich das mitbekam mussten drei Freunde mich bereits reanimieren.
In der 87. Minute war es dann doch passiert. Sievers netzte ein und jagte nicht nur mir einen Dolch durchs Herz. Mit dem Anstoß aber warfen unsere Prachtburschen incl. dem damals noch so geliebten Uwe Bein alles nach vorne und die Adlerkopien gaben sich alle Mühe die Bälle auf die umliegenden Tribühnendächer zu dreschen. Dann die geschichtsträchtige 91. Minute.
Ecke für den OFC auf das Bieberer Tor von der Bieberer Straßenseite aus. Die Nerven des Publikums waren zum Zerreißen gespannt. Die einen, weil es ihre letzte Chance war, die anderen weil sie den Abpfiff herbeisehnten. Der Ball kommt mustergültig vor hoch ca. 8 Meter vor das Tor und aus dem Hintergrund kommt Michael Kutzop angeflogen, drückt Charly Körbel in den aufgeweichten Boden und köpft die Hulla als Aufsetzer Richtung Tor. Jüriens fällt wie eine Bahnschranke und der Ball flutscht unter ihm hindurch in die Maschen. Das Stadion drohte in diesem Moment zu explodieren... Wildfremde Menschen umarmten sich und hatten Tränen in den Augen. Das Unfassbare war geschehen (und der Schiri hatte das Foul von Kutzop geflissentlich übersehen, wofür ich ihn heute noch anbete) und wir hatten es Ihnen mal wieder gezeigt. Nach dem Spiel glich der Eißnert-Park einem Bürgerkriegsschauplatz. Von diesem Gesamt-Erlebnis zehrte ich noch Monate (zumindest bis zum Rückspiel) und mir läuft heute noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran zurückdenke...
So viel zum Thema Derby, Atmosphäre und Fankultur. Das hatte aber mal überhaupt nichts mit Ultras und sonstigem Pseudo-Quatsch zu tun ... das war Offenbach at it"s very best.
Aufstellungen:
OFC:
Herr; Kutzop, Paulus, Gründewald, Peukert; Michelberger, Franusch, Trapp, Bein; Krause, Sandner
Auswechslungen: Palacios für Peukert (45., Kubosch für Krause (76.)
Frankfurt:
Hühner: Jüriens; Falkenmeyer, Schreml, Berthold, Körbel; Kroth, Sievers, Sziedat, Trieb; Svensson, Borchers
Auswechslungen: Rieth für Borchers (83.)
Ergebnisse 6. Spieltag Erste Bundesliga 1983/84
Bayer Leverkusen - Bor. Dortmund 4:2
Fortuna Düsseldorf - Hamburger SV 2:3
Werder Bremen - 1.FC Nürnberg 3:0
OFC Kickers - E......t F..........t 2:1
Braunschweig - Bayern München 1:2
KFC Uerdingen - VfB Stuttgart 3:2
SVW Mannheim - 1.FC Köln 2:2
Arm. Bielefeld - 1.FC K´lautern 3:2
VfL Bochum - Bor. M´Gladbach 0:4
Meister wurde in dieser Saison der VfB Stuttgart mit 48 Punkten auf Grund der besseren Tordifferenz vor den punktgleichen Hamburger SV und Mönchengladbach.
Absteigen musste neben dem 1.FC Nürnberg leider auch der OFC, während die Hühner sich in den zwei Relegationsspielen gegen den MSV Duisburg retten konnten. Die erwischte es dann allerdings später auch noch...............
Anmerkung
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